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Wortschätzchen und Bleistiftstrich

"dies und das" aus der ideenWerkstatt

Mein Bill und ich

Mein Auto heißt Bill. Mein Bill und ich fanden vor gut 8 Jahren zusammen. Es war Liebe auf den ersten Blick. Damals brauchte ich ein neues Auto, da mein Twingo, für mich und meine in die Höhe schießenden Jungs, nicht mehr groß genug war und … die Abstände zwischen den Besuchen in der Werkstatt immer kleiner wurden. So ging ich mit meinem Vater auf die Suche nach einem neuen Gefährt für mich.

Bei mir ist das so: ich habe keine konkreten Vorstellungen von meinem Traumauto, keine besondere Marke, Farbe, Sonderausstattungswünsche oder so. Es muss einfach zu mir passen. So zog ich mit meinem Papa von Autohaus zu Autohaus. Unsere Meinungen, bzgl. der Tauglichkeit eines fahrbaren Untersatzes für mich, gingen ziemlich weit auseinander. Schaute ich mir wendige Knutschkugeln an, so meinte Väterchen, ich bräuchte einen Kombi. War ich bei farblich peppigen Vehikeln, so schaute er bei neutral silbergrauen Gefährten. So verdrehte entweder er die Augen bei meinen Favoriten, oder ich war fassungslos bei seinen etwaigen für absolut schön und brauchbar gewählten Modellen.

Dann, schon völlig entnervt ob der nicht enden wollenden Suche und mit einem Papa, der immer mehr verzweifelte – zuweilen auch an dem Geschmack und Verstand seiner Jüngsten – sah ich ihn: Bill!!

Als einzig knatschrote A-Klasse unter zig anderen seiner Brüder (oder Schwestern ??). Preislich im gesteckten Rahmen schaute er mich aus seinen großen Augen (Scheinwerfern) an. Ich wusste: DAS ist er!! Langsam steuerte ich auf ihn zu und nahm ihn mal näher unter die Lupe. Der Verkäufer ließ mich Probe sitzen und … es war um mein Herz geschehen. DAS war MEIN Auto!! Groß genug für Kids mit langen Beinen, mit einem gewissen Komfort, schön rundig und … für meine diversen Besuche in einem nordischem Einrichtungshaus und den daraus resultierenden Kofferraum-Pack-Orgien, durchaus geeignet.

Mein Vater sah es mir auch gleich an. Mit allem: „Lass uns noch mal woanders schauen!“ und „Mercedes …, nun ja, … die Werkstattkosten haben da auch so ihren Preis….!“ und so, kam er nicht mehr weiter. „Ich sehe schon, da kann jetzt kommen was will, … du willst eh keinen anderen mehr!!“ stellte er dann also seufzend, aber lächelnd fest.
Ich strahlte ihn an und sagte freudig: „JA, Papa, das isser!!!“

Gesagt getan, Bill wurde mein.

In all den Jahren haben wir uns wirklich gut verstanden, ließ er mich auch nie so wirklich im Stich. Er forderte mich aber durchaus das ein oder andere Mal heraus. Ob es Dinge waren, dass die Zuviel-ÖL-Lampe bei einer Reise zu einer Familienfeier in den Westerwald ständig leuchtete und ich Himmel, Hölle und Familienmitglieder per Handy um den Verstand brachte. Ich traute mich damals nicht weiter zu fahren, bzw. traute ich mir nicht so recht, dass ich auch wirklich richtig nachgeschaut hatte, ob es auch wirklich ZUVIEL Öl war – was ja angeblich nicht soooooo schlimm ist.

Und auch den Raststätten-Tankwart brachte ich ins Schwitzen, als ich ihn aufgelöst und flehendlich um Hilfe bat, da ich doch nun schon die halbe Strecke hinter mich gebracht hatte, und auch meine auf den hinteren Autositzen befindlichen, schon etwas ängstlich dreinschauenden, kleinen Kinder noch heile zum Ziel bringen wollte.

Oder als Bill und ich ins Parkhaus fuhren, an einem schwülheißem Sommertag. Ich wollte nur mal kurz etwas im Kaufhaus besorgen. Schnell das Fenster per elektrischem Fensterheber runter gelassen, fuhren wir durch die Schranke im Parkhaus. Während der Parkplatzsuche wollte ich das Fenster nun wieder hoch fahren … aber: nix tat sich. Bill brummte nur, bzw. sein Rechte-Tür-Inneres. So fuhr ich einmal ganz durch das Parkhaus, spielte im Geiste alle etwaigen Möglichkeiten durch, wie ich es denn nun mit offenem Fenster und alleine im Auto bewerkstelligen könnte, das dringend benötigte Einkaufsgut (ich weiß heute gar nicht mehr was es war) zu besorgen.

Das Parkhaus hatte 4 Ebenen. Auf keiner kam mir die rettende Lösung. So fuhren Bill und ich also gleich wieder aus dem Parkhaus raus und …. durften für unsere spaßlose kurvenreiche Tour auch noch 1,50 Euro bezahlen. Super. Als wir das Parkhaus wieder Richtung des schwülheißen Sommertages verließen, taten sich am Himmel mächtige, bedrohlich, schwarze Gewitterwolken auf … Ich rief direkt meinen „Mercedes-Mann“ an, der Bill dann bei einsetzendem Gewitterschauer dazu bewegte, sein Fenster zu schließen.

In einem dieser heißen Sommer meinte Bill dann auch mal: Klimaanlage? Die sind doch völlig überbewertet!! Und so beschloss er, nur noch warme Heizungsluft, kräftig pustend, in das Wageninnere zu lassen. Wollte mir da doch ein anderer Mercedes-Mann erzählen, ich hätte etwas an der Kühlflüssigkeit für die Klimaanlage gemacht … sehr witzig!! Ich weiß ja noch nicht mal, wo Bill sein entsprechendes Kühlwasser gerne hin haben möchte!!

Alles in allem hat mich Bill wirklich immer und überhall hin gebracht. Meistens ohne zu murren oder Probleme zu machen. Er hat es immer durch den TÜV geschafft, gut mal mit kleinen Mängeln, aber alles war immer gut. Vor allem gibt er mir ein Stückchen Freiheit und wenn er mich dann mit seinem strahlend rotem Lack und den großen Scheinwerfer-Augen in der Garage erwartet … ach is dat schön!!

Und heute … heute sollte Bill nur seine Winterschlappen anbekommen. Vor gut 14 Tagen war er in der Werkstatt gewesen. Es gab da so ein paar Verschleißteile, die ausgewechselt werden mussten. Was auch völlig ok ist, bei seiner km-Leistung von knapp 134.000 km. Also, alles gut heute morgen … bis er die Winterreifen drauf hatte und ich dann wieder losfahren wollte.

Bill ließ sich nicht schalten. Vom 1. in den 2. Gang, kein Thema … aber dann in den 3. – ein aufjaulen, knacken — geht nicht. Ich schaltete also wieder in den 2. Gang versuchte es noch mal: ging! Puh!!

Da ich mir das alles nicht erklären konnte, fuhr ich noch mal zur Tankstelle, damit die mal nachschauen konnten, was da los war mit Bill. Die konnten natürlich erstmal nix feststellen. Die „3 von der Tankstelle“ meinten wahrscheinlich, die Blondine kann nicht richtig fahren und meint jetzt, ein Reifenwechsel schadet dem Getriebe!!

So fuhr der Meister selbst eine Runde mit Bill, kam zurück und sagte: „Jo, da stimmt was nicht. Kann nur die Kupplung sein, oder aber vielleicht auch das Getriebe. Dann wird’s teuer!! Fahren können Sie aber erstmal soweit. Wenn es hakt, den dritten Gang überspringen. Und dann natürlich zur Werkstatt in den nächsten Tagen.“ Ich war entsetzt. Heute Morgen war noch alles ok und jetzt sollte Bill kaputt sein?? Nun gut, ich lasse mich ja so schnell nicht unter kriegen. Setzte mich hinters Lenkrad und fuhr erstmal wieder los.

Und da ging es wieder los. Gang geht nicht rein, es knackt, aber … puuh, zum Glück: habe mich wohl nur verschaltet. War ich mir doch mittlerweile auch schon nicht mehr sicher, wo welcher Gang sitzt. Also fahre ich weiter, es klappt auch alles … und da, mitten auf der Kreuzung: ich will anfahren… nix geht mehr, versuche irgendeinen Gang rein zubekommen: buppbuppbupp – Bill abgewürgt!! Autobus hinter mir, zig andere Verkehrsteilnehmer um mich herum …. Schweißausbruch meinerseits – Schweigen seitens Bill!!

„Oh Mann, Bill!! Was ist denn das?? Das kannst du doch nicht machen!!!“ schwatze ich hektisch auf mein geliebtes Auto ein. Mit blinkender Warnblinkanlage starte ich Bill, bekomme einen Gang rein (ich glaube es war der 4.) und bekomme Bill auch mit Hängen und Würgen in Bewegung!!

Unter Aufbringung all meiner Nervenkraft und all meiner Fahrkünste (25 Jahre unfallfrei und ohne Punkte!! Jawoll!!!) schaffe ich es, Bill eine ansteigende Straße hinauf und vor die Garage meines Vaters zu bugsieren. Was mit nur einem Gang, wie gesagt, ich glaube es war der 4., eine echte Herausforderung war. Und gestunken hat es, als wenn ich mit durchgezogener Handbremse bis zum Anschlag und Fuß auf dem Bremspedal gefahren wäre!! BAAAAHHH! Oh Bill!! Was ist los???

Bill nun aus und abgestellt und ich in Tränen aufgelöst. Ich muss dazu sagen, dass ich unterwegs meine Eltern aufgegabelt hatte, die von einem Termin im Krankenhaus kamen. So hatte ich meine Mama bei dieser abenteuerlichen Fahrt auch dabei. Mein Papa wollte, unter einem Vorwand (??), lieber zu Fuß den kurzen Weg nach Hause gehen. Aber meine Mama stand das heroisch mit mir durch!!

So stand ich denn nun in Tränen aufgelöst vor der Garage meiner Eltern, wartete auf meinen Papa, der sein Auto aus der Garage holen wollte, damit ich Bill hineinstellen konnte. Nun wollte mein guter Bill aber so gar nicht mehr! Nix, völlige Gangeinleg-Arbeitsverweigerung. Nicht 1., 2., 4. (3. war klar-ging ja nicht) und auch nicht mehr Rückwärts. Entnervt saß ich da nun zusammengesunken auf dem Sitz und dachte nur: „Bitte nein!! Nicht mein Bill!! Nicht kaputt sein!!“ Ich weiß, das klingt vielleicht ein bisschen albern, aber mein Auto bedeutet mir wirklich sehr, sehr viel.

Als mein Vater nun kam, sagt er nur: „Wir kriegen das schon hin. Sonst schieben wir ihn in die Garage!“ … und ich dachte: „Na dann ma los, der dicke Bill … und Väterchen, mit seinen 80 Lenzen und ich … wir schieben das gewichtige Gefährt….!!?“ Aber, der gute Bill hatte ein Herz! Etwas störrisch ließ er den Rückwärtsgang zu und dann auch bereitwillig den 2. Gang, so dass ich in die Garage tuckern konnte. PUUUH. Geschafft.

Und nun?? Nun habe ich alle Hebel in Bewegung gesetzt, um Bill wieder in Gang zu bekommen. Mein Mercedes-Mann wird ihn sich anschauen und dann wird sich zeigen, ob Bill und ich noch eine Weile zusammenbleiben können, oder uns die „Es-lohnt-sich-nicht-mehr-soviel-in-das-Auto-zu stecken“-Aussage trennen wird.

Aber vorher habe ich jetzt gleich erst mal das Abenteuer vor mir, den guten Bill in die Werkstatt zu bekommen…. Ärmel hoch, Nerven gestählt und auf geht’s!!!

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