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Wortschätzchen und Bleistiftstrich

"dies und das" aus der ideenWerkstatt

Und immer wieder Reisen mit Hindernissen

Und immer wieder Reisen mit Hindernissen!! Egal wie, egal wann … verreisen mit meinem Herzbuben ist immer mit sehr viel Aufregung und Hindernissen – Hin und Hers –  verbunden. Es ist wie´s ist: so isser halt!! 

 

So wie gerade dieses Wochenende wieder erlebt. Reiseziel war Bad Dürkheim. Grund der Reise: ein Buchseminar bei Ernst Crameri. Wollten wir doch endlich beide ein Buch schreiben. Toll!

Also, Koffer gepackt für den Kurztripp in die deutsche Toscana – so sagt man wohl über die Gegend rund um Bad Dürkheim.

Dazu sei noch erwähnt, dass mein Liebster anschließend noch ein Seminar in Köln (bei einem anderen Veranstalter) gebucht hatte, so dass wir uns einig waren, dass ich einen Tag früher die Heimreise von Köln aus per Bahn antreten würde. Kein Thema. Unser Reiseplan war also wie folgt: Freitags Anreise (für mich zunächst per Bahn zu meinem Schatz), beim Bahnhof ein Ticket für mich kaufen, für die Rückfahrt von Köln nach Bielefeld. Anschließend dann sofort per Auto „Abflug“ nach Bad Dürkheim um 12.30h. So hätten wir genug Zeit für eine entspannte Fahrt zu unserem Reiseziel.

Ganz entspannt erreichte ich dann auch den Hauptbahnhof Bielefeld, um nach Rheda zu fahren. Denn ganz ehrlich: ich hasse reisen mit Hektik, bin immer lieber min. 15 Min. früher als nötig am Bahnhof, Flughafen oder so. Soweit klappte auch alles super. Ganz entspannt mein Ticket gekauft, und trotz Koffer- und Laptoptaschen-Schlepperei Sitzplatz bekommen … alles wunderbar!! Ich freute mich schon sehr auf das WE mit meinem Schatz, an dem wir so viel lernen sollten und wollten. Insgeheim hoffte ich schon, dass er auf dem Bahnsteig stehen würde, um mich freudig in Empfang zu nehmen, so dass wir beiden Turteltäubchen unsere erste Autorenreise auch freudig antreten können würden.

Der Zug fuhr also im Bahnhof Rheda ein, ich ließ schon mal meinen Blick durch das Zugfester über den Bahnsteig gleiten … aber, kein männliches Wesen in Sicht, was dem Meinen auch nur entfernt ähnelte. Schaaade!!! „Naja, vielleicht wartet er ja unten im Eingangsbereich.“, dachte ich. Also, Koffer geschnappt, Tasche geschultert und die steilen Treppen – im nicht allzu modernen Bahnhof – runter getrippelt. Die Augen nach wie vor suchend nach dem mir bekannten, geliebten Gesicht. Fehlanzeige. „Ok, dann steht er wohl draußen auf dem Parkplatz und wartet auf mich! Schließlich wollen wir ja bei Zeiten losfahren! Wochenend-Verkehr, Feierabendverkehr … da brauch man schon ein bissi länger und es kommt ja gerade so hin!“, dachte ich während ich mich abschleppte.

So stellte ich mich vor den Bahnhofseingang und schaute mich – mit geübtem Blick – suchend auf dem Parkplatz um. Schon wieder Fehlanzeige! Seufzend ergab ich mich in mein Schicksal … schon wieder auf den Uwe warten zu müssen. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf! Irgendwann, wird er mich mega überraschen und tatsächlich genau zur vereinbarten Zeit am Treffpunkt erscheinen!! Es hätte mich damals bei unserem ersten Date eigentlich schon stutzig machen sollen, dass er selbst da 10 Min. zu spät kam. Aber dies nur am Rande bemerkt.

Auch jetzt wartete ich wieder geduldig (nein, dass stimmt nicht ganz, um ehrlich zu sein) auf das Eintreffen meines Herzbuben. Und da! Endlich! Ich wollte gerade mein Handy zücken und mal nachfragen wo er bleibt, bog er um die Ecke. Da ich mich nicht unverzüglich in Bewegung setzte, blinkte er auch gleich – mich fröhlich zur Eile auffordernd – mit den Scheinwerfern.

„Jo, mal langsam!! Ich komme ja!“, grummelte ich halblaut und rollte mit meinem Gepäck zu ihm rüber. „Hi, Schatz, da bist du ja! Wir müssen gerade noch bei der Sparkasse vorbei, Geld für meine Mutter holen, ebenso Brot und Zigaretten!“ „Ahaaaa“, sagte ich mit vorsichtigem Blick auf die Uhr. Nun Momentan waren wir noch in der Zeit. „Ein Ticket für meine Rückfahrt müssen wir aber auch noch holen!“ sagte ich. „Ja, genau! Das machen wir jetzt auch sofort!“ entgegnete Uwe mir, packte meine Koffer ins Auto und eilte los zum Fahrkartenschalter. Nach ein paar Missverständnissen bzgl. der Abfahrtzeiten des ICEs in Köln am Wochenende, hatten wir nach ein paar Minuten mein Ticket, und los ging die Reise.

In meinem „jugendlichen Leichtsinn“ dachte ich: wir holen gerade die paar Sachen, bringen sie der Schwieger-Lotti, und packen Schatzis Koffer ins Auto … und ab dafür! Wie ich jedoch feststellte, war mein Liebster (wie so oft) mitten in der Arbeit aufgesprungen, um mich vom Bahnhof zu holen. PC also noch an, Koffer noch nicht ganz gepackt … und so ging also die Hektik los. In dicker Winterjacke (wo er doch sowieso immer soviel Hitze hat!!!) wurden nun alle restlichen Sachen von ihm zusammen gepackt, in Taschen und Koffer verfrachtet … und ab dafür. Äußerst schweißtreibende Angelegenheit! Dann bei Lotti vorbei – Tschüß sagen und die paar Besorgungen abliefern. Mein Blick wanderte wieder auf meine Uhr … viertel vor eins. Wir wollten eigentlich schon lange im Auto sitzen. Nun gut. Auf eine viertel Stunde kommt es ja nicht an.

Lotti schnackt immer sehr gern. Ist ja auch normalerweise kein Ding. Aber heute hätte ich doch gerne den Redefluss gestoppt, weil, wie schon erwähnt, ich reise ungern unter Zeitdruck! Aber mein Uwe machte irgendwie so gar keine Anstalten, dem Redefluss zu entkommen. Im Gegenteil. Plötzlich geht er raus – ich denk noch – wo geht er denn hin?? – und kommt nach ein paar Minuten wieder zurück. Es ist mittlerweile kurz vor eins und unser Seminar soll doch um 17 h starten … wir haben ja auch nur die kurze Strecke von ca. 350 km zurück zu legen.

„So, Mama“, sagte er denn als er wieder zur Tür rein kam. „Das Wasser im Garten ist abgestellt, ich hab alles gecheckt, da kann jetzt nix mehr einfrieren!!“ Wie jetzt?? Garten- und Hausarbeiten so kurz vor der Abfahrt, die doch sowieso schon verspätet stattfindet. Ganz ehrlich, da bin ich immer fassungslos und ohne Worte. Konnte man(n) das nicht vielleicht schon eher erledigen??? Nun gut. Jetzt war aber endlich alles geklärt und die Reise konnte, mit nun ca. 1 Std. Verspätung losgehen.

Wie erwartet, waren die Straßen voll und das Wetter zu allem Überfluss auch noch miserabel. Regen, Regen, Regen!! Was für die Reisegeschwindigkeit nicht gerade zuträglich ist.

Pullerpausen waren eigentlich nicht drin und von Uwe irgendwie per se auch nicht eingeplant, aber ohne … das schafft meine Sextanerblase definitiv nicht. So hielten wir – mit leicht mürrischem Kommentieren seitens Uwes – zur Pullerpause, in der ich auch unbedingt etwas essen musste, denn ich gebe zu, hungrig bin ich nicht gerade umgänglich. „Wegen der 20 Minuten Pause haben wir laut Werner (Anmerkung: das Navi), nun 10 Minuten verloren!“ stellte Uwe leicht angesäuert fest, als wir uns mit geleerten Blasen und gefüllten Bäuchen wieder ins Auto setzten. Is ja auch eigentlich logisch, die Zeit bleibt ja nun mal nicht stehen!!

„Ja, nee is klar!!“ entgegnete ich nur. Lag natürlich alles gar nicht daran, dass wir mit einstündiger Verspätung losgekommen waren. Nun ja! Es liegt immer alles im Auge des Betrachters und alles ist eine Sache des Blickwinkels … oder so! Schlussendlich kamen wir dann tatsächlich mit einer 20 minütigen Verspätung in Bad Dürkheim an. Das Seminar hatte schon begonnen und so war unsere Einführung ins Autorenleben denn auch gleich sehr nachhaltig!! Wir lernten wirklich viel an diesen beiden Tagen bei Ernst Crameri. War eine tolle Erfahrung und super Motivation.

Der eigentliche Hammer jedoch war die Rückreise!!!

Der Plan sah so aus: Seminar zu Ende, sich von allen Leuten verabschieden und dann zügig auf nach Köln – Hauptbahnhof, da ich ja mit dem Zug zurück in heimatliche Gefilde reisen würde. Somit war der zeitliche Rahmen der Reisezeit wieder einmal klar definiert. Eigentlich!!

Aber irgendwie läuft das ja bei uns immer alles anders!!

Mein Herzblatt brauchte noch einen Unterschlupf für die Nacht, da er ja in Köln bleiben würde, um am Seminar am nächsten Tag teil zu nehmen. Kein Ding!! Kein Problem!! Das Buchseminar war also zu Ende, alle Taschen waren gepackt, alles klar! Nun musste Uwe nur noch ein Hotelzimmer in Köln organisieren. So versuchte er – via mega-katastrophalen W-Lan-Zugriff im Hotel in Bad Dürkheim– ein entsprechendes Zimmer in Köln zu reservieren. Und wen wundert´s?

Das klappte natürlich wieder mal so gar nicht. Die Web-Seiten der entsprechenden Hotelportale luden nicht oder nur schneckenlangsam. So saß ich mal wieder wartend – eines meiner „Hobbies“ in dieser Beziehung (ich muss echt noch lernen, diese „ruhende“ Zeit IMMER positiv für mich zu nutzen, was mir sehr schwer fällt unter Zeitdruck!!!) – in der Lobby und lauschte den Unmutsäußerungen zu meiner Rechten.

Nachdem Uwe nun so gar nicht via Internet weiter kam, versuchte er dann, auf die gute alte Methode der telefonischen Reservierung zurück zu greifen. Dies erwies sich aber auch als schwierig, da bei dem Anbieter gerade ein Server-Up-date gefahren wurde, und so die Mitarbeiter selbst auch keinen Zugriff auf ihr Programm hatten. Wau … na, da war „das Uwe“ aber bedient!! So blieb uns nichts anderes übrig, als die ganze Zimmer-Reservierungs-Sache telefonisch noch mal von unterwegs zu regeln.

Ich für meinen Teil hätte ja schon ein paar Tage vorher ein Zimmer reserviert, aber … Männer ticken ja immer ein bisschen anders als wir Frauen, gelle??!!

Also, nun alle Sachen zusammen gepackt und in genervter Protesthaltung auf ins Auto (natürlich bei strömenden Regen, was zur Laune unglaublich „positiv“ beitrug) und ab auf die Autobahn. Püüh … ganz ehrlich? Lieber wäre mir gewesen, noch mal anzuhalten und eine kurze „oooohhhm“-Pause einzulegen, zur Beruhigung der Gemüter. Dafür blieb jedoch keine Zeit.

Denn: ich musste ja pünktlich um 20.38h am Bahnhof Köln sein. Auch hatte Uwe nun schließlich und endlich ein Zimmer ergattern können. Er musste aber auch bis spätestens um 21 Uhr bei dem Hotel sein, um einzuchecken. Die Dame an der Rezeption hatte sich freundlicherweise bereit erklärt, eine Stunde länger für ihn zu arbeiten. Sie würde bis 21 Uhr da sein. Und nun war es schon 17.10 h … die Zeit also, mal wieder, oder wie immer …, knapp!!

Ich dachte die ganze Zeit: „Ruhig bleiben!“ Und: „Hoffentlich drückt die Blase nicht!“ Wollte ich doch nicht schon wieder Diskussionen wegen unnötiger Pausen führen. So fuhren wir ca. 2 Stunden, bei echtem „Sch ..“-Wetter (Regen, Spritznässe, Dunkelheit …), durch den frühen Abend. Mein Hinterteil schmerzte, durch die viele Sitzerei am Wochenende, und entsprechend rutschte ich auf meinem Sitz hin und her. Dass die Blase irgendwann doch zu Zwacken begann, muss ich wohl gar nicht erwähnen, ebenso wenig das Hungergefühl, welches sich breit machte, da das Mittagessen in Form von Salat, nun schon einige Stunden hinter mir lag.

Irgendwann hielt ich es aber dann doch nicht mehr aus. „Schatz,“ sagte ich bestimmt. „Du musst anhalten! Ich muss mal! Ich MUSS mal einen Moment meine Beine vertreten UND ich brauche dringend einen Kaffee!“

„OOOkaay! Ich halte gleich an“, erwiderte er etwas weniger mürrisch als erwartet.

Gesagt – Getan! Beim nächsten Rastplatz fuhr er raus und ich sprang quasi schon aus dem Auto, noch bevor das Auto richtig stand! Das ist ja oftmals so: Die Blase drückt, erst wenig, dann gewaltig, aber frau hält es aus. Doch, sobald die Stätte der Entleerung in Sichtweite ist, na dann geht quasi nix mehr und es heißt „RENNE! Oder Überschwemme!!“ Nachdem ich mir Erleichterung verschafft hatte, gingen wir uns noch einen Kaffee holen. Tat das gut! Und es wurde mir sogar gestattet, einen Moment vorm Auto stehen zu bleiben, um die Beine einen Moment vertreten zu können. Herrlich!!

Mittlerweile war es 18.45h und wir hatten noch 160 km vor uns. In der Tat eine knappe Geschichte.

„Uwe, ganz ehrlich!“ sagte ich in die Dunkelheit des Autos, “ So reise ich nie wieder! Kalkuliere bitte Pullerpausen und Beine-Ausschüttel-Pausen mit ein! ICH brauche das!“ Ganz kurz blitze ein Blick des Unverständnisses in Uwes Augen auf, er sagte aber:“ Ja, ist gut. Ich weiß Bescheid!“ Wir fahren übrigens stets mit Navi, Werner, wie bereits erwähnt. Spannend finde ich dabei immer, das Werner zu Anfang einer Fahrt unglaublich viele Infos gibt und dann …. schweigt.

So auch jetzt. Wir hatten eine weitere Stunde auf der Autobahn hinter uns gebracht und Köln war nicht mehr weit. Es war 19.56 h, also keine Stunde mehr bis zur Abfahrt meines Zuges. Wo blieb die Autobahnausfahrt Köln-Hauptbahnhof?? Werner schwieg! Uwe fand das auch beunruhigend und handelte „eigenmächtig“, ohne Werners Hilfe. Was soll ich sagen …? Fakt ist, dass wir so 2x die falsche Abfahrt erwischten … und wieder auf die Autobahn drauf mussten. „Das gibt´s doch gar nicht!“, fluchte Uwe halblaut. „Toll, Werner, echt klasse, dass du mit mir sprichst!

Meine Wenigkeit konnte inzwischen gar nicht mehr viel sagen, da meine Anspannung mittlerweile doch eine gewisse Voltzahl erreicht hatte. Wollte ich doch nicht die ganze Nacht auf dem Bahnhof verbringen, denn der nächste Zug würde laut Auskunft erst gegen 1.00 Uhr morgens Richtung Heimat fahren.

Lange Rede, kurzer Sinn: Wir kamen um 20.29 Uhr am Bahnhof Köln an. 9 Minuten bis Abfahrt! Meine Wenigkeit war mit hektischen Flecken ausgestattet und Uwe rotierte ebenfalls mit erhöhter Körpertemperatur hinterm Lenkrad. Mein Plan war gewesen, mir am Bahnhof in aller Ruhe etwas zu Essen kaufen, nochmals das stille Örtchen auf „festem Untergrund“ aufzusuchen (ich hasse die Toiletten in Zug, Flugzeug & Co), und dann ganz Entspannt zum Bahnsteig gehen, um ganz ohne Stress in den Zug zu steigen.

Weit gefehlt! Parkplätze waren natürlich am Haupteingang des Bahnhofs Mangelware. So stellte mein Liebster das Auto in einer Be- und Entladezone, ausgestattet mit einem „Absolutes Halteverbot“-Schild ab. Er sprang quasi aus dem Auto, um meinen Koffer und Tasche herauszuholen und stürzte Richtung Eingang los. Noch mit meinem Schal und Handtasche kämpfend, eilte ich hinter ihm her. Wie nicht anders zu erwarten, tummelte sich im Bahnhofsinneren eine unüberschaubare Menge an Menschen, zum Teil hektisch, einige langsam, einige im Weg stehend, hin und her. Und wir hetzen mittendurch. „Da!“ rief Uwe mir da über die Schulter zu. „Da ist ein Bäcker! Hol dir schnell etwas zu Essen!“ Suchend schaute ich mich um. Zwischen all den Menschen erspähte ich die, mich im Grunde genommen so gar nicht ansprechende, Auslage des Verkaufstandes.

Nachdem ich mein belegtes Brötchen käuflich erworben hatte, stand Uwe dann auch schon mit meiner weit geöffneten Lapptop-Tasche hinter mir. So schnell wie er das Brötchen darin unterbringen wollte, klappte es natürlich nicht. Ungeduldiges Seufzen war der entsprechende Kommentar. Sofort eilte er weiter zum Bahnsteig. Immer 5 Schritte vor mir, mit allen Taschen bepackt. Ich hatte gar keine Chance zu sagen: „Stopp! Ich muss mal!“, denn sein Focus galt nur der Uhr, seinem im Halteverbot stehenden Auto und dem mich Absetzen auf dem Bahnsteig.

Püüüh! Den hatten wir dann auch glücklich um 20.32h erreicht. Zum Glück. Ich atmete erstmal ganz tief durch. Geschafft! Unruhig, von einem Fuss auf den anderen tretend, stand Uwe nun vor mir. „Öhm, so Schatz …!“ stammelte er. „Ja, ja, schon gut geh`!“ seufzte ich, „ich schaff das hier schon alleine!“. Ein Kuss, eine Umarmung und schon sah ich ihn Rolltreppe abwärts, mir zuwinkend, davon gleiten. Püüüh! Nochmals durchgeatmet. So, nun aber mal langsam! Ich schaute mich erstmal auf dem Bahnsteig um. Hektisches Treiben überall. Laufend irgendwelche Ansagen, von Zügen, die HEUTE von anderen Gleisen fuhren, Verspätung hatten und und und.

Zunächst ging ich zur Wagenstandsanzeige, um mich zu orientieren, wo ich einsteigen müsste. Ok. Das Gleis war korrekt. Gleis 2, das hatte ich nun auch schon mindestens 4 Mal auf dem Ticket überprüft. Aber … die 20.38 Uhr stand da nirgends … nur 20.48 Uhr. Hmm!!?? Ich kramte mein Ticket nochmals aus der Tasche. Tatsächlich. 20.48 Uhr, Köln – Bielefeld, von Gleis 2! „Na super!“, dachte ich. „Da hätte es dann ja auch etwas weniger hektisch zu gehen können!!“ Ich musste über uns schmunzeln. Hatten wir doch beide die falsche Abfahrtszeit im Kopf. So hatte ich nun aber 10 Minuten gewonnen und konnte erstmal etwas zur Ruhe kommen.

Um mich herum wurde es immer leerer und die Zeit schritt voran. Was mich langsam etwas stutzig machte, war, dass mein Zug gar nicht auf der Anzeigetafel erschien. Es war mittlerweile 20.50 Uhr, niemand außer mir auf dem Gleis 2, keine Ansage über Verspätung meines Zuges – NIX. Da stand eine Frau „zwischen“ den Bahnsteigen 2 und 3. Ich ging auf sie zu und fragte, ob sie auf den ICE warten würde, was sie verneinte.

Eigenartig. Mittlerweile war es 20.55 Uhr. Ich kramte nochmals mein Ticket raus, was ich nun schon zig Mal gemacht hatte, um mich zu versichern, dass ich auch wirklich auf dem richtigen Gleis stand.

Und da! Plötzlich stach es mir ins Auge!!

Datum für die Rückfahrt auf dem Ticket: 4.11.2012!!!

Aber heute war doch der 3.11.2012!!! Ooooh NEIN! Das durfte doch wohl nicht wahr sein! Zig Gedanken schossen mir durch den Kopf. Mona nachts allein auf dem Bahnsteig, fast erfroren. Mona irrend und suchend in Köln. Mona völlig genervt, weit nach Mitternacht, in einem Zug sitzend und … Monas Fuss der liebend gern einen Tritt in Richtung Hinterteil meines liebsten Uwe gemacht hätte!!! Hatte er mir doch ein falsches Ticket gekauft!! So was!! „Das gibt´s doch gar nicht!“ dachte ich genervt. Gefrustet und übellaunig wählte ich die Handy-Nr. meines „Helden“. „Hallo Schatz!“ rief er recht fröhlich in den Hörer. „Du kannst mich mal gleich wieder vom Bahnhof abholen!“, ließ ich meinen Unmut in den Hörer bellen. „Der Zug fährt erst morgen!“ Kurzes Schweigen auf der anderen Seite der Leitung.

„… wie Morgen???“ kam dann die Frage zurück. „Du hast mir ein falsches Ticket gekauft!! Heute ist Samstag der 3.11. und nicht der 4.11.!!! Mennooo!!!“ „Warte, ich bin gerade beim Check in! Melde mich sofort bei dir!“ entgegnete er mit leicht entsetztem Ton in der Stimme. „Schon gut, ich gehe erstmal zur Reiseinfo und gucke was ich tun kann!“ sagte ich resignierend in den Hörer. „Melde mich dann bei dir!“ sagte ich und legte auf.

So schulterte ich meine 7 Sachen und machte ich auf die Suche nach dem Info-Center. Mittlerweile war es 21.04 Uhr. Ich wollte nur noch nach Hause!!

Zum Glück konnte mir die nette Dame am Infoschalter dann aber weiter helfen. Auf meine Worte: „Ich habe ein Problem! Mein Mann hat mir ein falsches Ticket gekauft – eines für Morgen, aber muss doch heute Abend noch nach Hause!“, schaute sie auf ihren Bildschirm, stempelte wild auf meinem Ticket herum und sagte dann nur lächelnd: “ 21.10 Uhr, Gleis 4!“ Was mir ein erleichtertes: „Oh, fantastisch!“ über die Lippen brachte. Am liebsten wäre ich ihr um den Hals gefallen.

„Und wie sieht das mit einem Sitzplatz aus?“ fragte ich dann noch. „Den kann ich ihnen nun leider nicht mehr reservieren, dafür ist es schon zu spät. Aber um diese Uhrzeit sind die Züge immer leer. Kein Problem!“ lächelnd reichte sie mir mein Ticket zurück. Na Prima! Aber wenigstens hatte ich eine Zugverbindung, die mich heimwärts bringen würde. Also wieder alle 7 Sachen geschnappt und ab durch das menschliche Ameisenvolk zum Bahnsteig 4. Super toll! Oben angekommen war da wirklich der entsprechende Zug angeschlagen, und es waren auch einige Mitreisende anzutreffen. Von wegen, um diese Uhrzeit ist nichts los!!!

Pünktlich fuhr der Zug im Bahnhof ein. Ich überlegte die ganze Zeit, welchen Wagon ich denn nehmen solle. Bordrestaurant? Als der Zug langsam an mir vorbei glitt sah ich, dass dieses total voll war. „Mist!“, dachte ich. „Na dann nicht!“. Ich wünschte mir, dass der nächste Wagon mit Tür direkt vor mir halten würde – was auch tatsächlich klappte. Danke!! In meinem gewähltem Abteil sah es auch einigermaßen leer aus. Ich schnappte mir den ersten freien Platz, schaute ob er reserviert war. Zum Glück nicht. Als ich alles verstaut hatte, setzte sich der Zug auch schon in Bewegung. Und ich … saß gegen Fahrtrichtung, was mein Magen immer mit einem sehr flauen Gefühl kommentiert. Noch Mal „MIST!“ Darauf hatte ich nicht geachtet!

Suchend schaute ich mich um. Gegenüber war an einer Sitzgruppe mit Tisch noch was frei. Dort saß eine alte Dame, die sich ziemlich ausgebreitet hatte und im Moment gerade die Süddeutsche las. Die Zeitung nahm den ganzen Tisch in Anspruch und die Dame kommentierte Etliches was sie dort las. „Egal“, dachte ich. „Hauptsache in Fahrrichtung sitzen und überhaupt nach Hause kommen.“

So saß ich erstmal ganz ruhig in meinem Sitz und ließ innerlich alles los. Was für ein Chaos! Ich schaute mich im Wagon um. Es war ziemlich laut. Eine kleine „Reisegruppe“ junger Männer, deren Tisch voll mit Bierdosen stand, schräg hinter mir. „Deswegen riecht es hier so nach Kneipe!“ dachte ich seufzend. Ein Ehepaar, das schon 3x den Platz gewechselt hatte, ständig ihre großen Koffer hin und her wuchtete und hier und da bei Mitreisenden aneckten. Nun saßen sie endlich und … ihre Koffer standen – total im Weg – mitten im Gang, was das Durchkommen für alle Beteiligten sehr schwierig machte. Verreisen mit viel Gepäck, das ist auch eine Kunst für sich mit der Bahn.

Beim nächsten Halt stieg eine Gruppe von 3 Männern und ca. 6 Jungs ein. Wohl Fussballtrainer mit einem Teil ihrer Mannschaft. Und, wie konnte es anders sein. Sie hatten Plätze reserviert.

Und zwar genau die, die die feiernde Meute belegt hatte und den Meinigen.

Die Meute sah sich nun aber überhaupt nicht dazu verpflichtet, ihre so schön mit Bierdosen verzierte Sitzecke zu räumen. Dementsprechend entstand natürlich eine Diskussion. Hätte nicht viel gefehlt, und es wären Fäuste geflogen. Zum Glück kam dann ein Schaffner, der beruhigend auf alle einwirkte und auch mir zu verstehen gab, ich müsse den Platz räumen. „Kein Thema!“, sagte ich, meine Augen innerlich genervt verdrehend. Die Dame mir gegenüber meinte nun auch noch, das alles besserwisserisch kommentieren zu müssen, also zumindest die Umstände mit der Feiermeute.

Die „Trainers“ waren dann aber doch so nett, sich andere Plätze zu suchen, waren ja auch noch genug frei, nur eben nicht mit Tisch. Mir deuteten sie auch, dass ich sitzen bleiben könne. Glück gehabt!!

So kehrte dann recht bald wieder Ruhe ein. So leidlich, … denn es war schon ziemliche Stimmung im Abteil. Laute Unterhaltungen über das, was man alles so fantastisches bei dem nächtlichen Streifzug durch die Gemeinden erlebt hatte. Großartig. Wollte doch eigentlich gar keiner Wissen!!

Egal. So eine Zugfahrt dauert ja nicht ewig! Eben hatte ich das gedacht, da fing die Dame mir gegenüber an, in ihrer Tasche zu kramen. Sie fand darin eine Packung Butterkekse, über die sie sich dann genüsslich krümelnd, mampfend, leise schmatzend, hermachte. „Na, Mahlzeit!“, dachte ich. Dann stellte sie noch eine Wasserflasche auf den Tisch, deren Inhalt man deutlich ansehen konnte, dass einige Kekskrümel darin schon längere Zeit einen Schwimmkurs machten und sich langsam auflösten. Baaaaah!!! Iiiigitiigit!!…

Kennt ihr das, wenn jemand etwas isst und dann die Krümel überall hängen? Wie bei Loriots „Nudel“. Nur schlimmer!!! Und obwohl ich es so scheußlich fand, konnte ich meinen Blick nicht von den mit aufgeweichten Butterkekskrümeln beklebten Lippen der Frau, und auch nicht von der Wasserflasche lassen. Oh, Mannomann! „Ich will nach Hause!“, jaulte ich innerlich zu mir selbst!!

Schließlich eiste ich meinen Blick von den verklebten Lippen der Alten los und widmete mich einer Zeitung. Nun fing die beleibte Dame auch noch an, mit einem kleinen Jungen am Nachbartisch zu greinen. Der Kleine, ca. 11 Jahre alt, war etwas mopsig. Nicht dick, aber ein bissi Babyspeck halt noch auf den Rippen. Gerade aß er genüsslich ein paar Chips. „Was isst du denn da?“ fragte sie ihn unverblümt. „Also du hast aber ganz schön was auf den Rippen! Und dann isst du Chips?“ Der Junge schaute ganz verlegen und errötend auf. „Der Arme!“, dachte ich.

„Na, also ich bin ja auch ganz schön dick!“, sagte die Alte nun. „Das stimmt!“, dachte ich, “ und eklig obendrein!“ Sie fuhr fort: „Aber du solltest besser Möhren und Obst essen!“ Zum Glück mischte sich der Trainer des Kleinen ein und sagte: „Das tut er auch! Alles Gut!“

So ganz kam die Botschaft bei der Krümel-Dame leider nicht an, da sie sich noch während der ganzen restlichen Fahrt dazu berufen fühlte, etwaige Bemerkungen über den Kleinen und auch über andere Mitreisende zu machen. Mich ließ sie – Gott sei dank!!! – in Ruhe.

Ich hatte ja auch so schon genug „Spaß“ an ihren Essenszeremonien!

23.25 Uhr!! Zum Glück! Nur noch 10 Minuten bis Bielefeld. Erleichtert, dass diese Odyssee nun ein Ende hatte, packte ich meine Sachen zusammen, verabschiedete mich von meinen Mitreisenden, kämpfte mich mit meinen Taschen über die im Weg stehenden Koffer des nun schlummernden Ehepaares von eben, und ging zum Ausstieg.

GESCHAFFT!! Nur noch raus, zum Taxi und ab nach Hause!! Das klappte zum Glück auch ganz entspannt und ohne weiter Vorkommnisse.

 

Und das nächste Mal wird alles anders … ich gebe die Hoffnung niemals auf!! 😉

 

 

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