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Wortschätzchen und Bleistiftstrich

"dies und das" aus der ideenWerkstatt

Mama du bist peinlich!! … das hört man bisweilen auf jeden Fall von seiner pubertären Nachkommenschaft!

 

Also, im Großen und Ganzen bin ich eigentlich ganz zu frieden mit mir.

Denke, dass ich normal bin, mich benehmen kann, gerne Spaß habe und man sich durchaus in der Öffentlichkeit mit mir zeigen kann. Meine Söhne sehen dieses allerdings oftmals anders. Manchmal würden sie, so glaube ich, am liebsten im Erboden versinken, wenn sie mit mir unterwegs sind. Dabei bin ich mir immer (naja meistens … überwiegend!!) gar keiner Schuld bewusst. Ehrlich. Ich finde auch, dass ich gar nichts Schlimmes mache.

Gut, manchmal beim Autofahren, wenn da ein wirklich gutes Lied im Radio ist, dann muss ich mich leider zu den Klängen und dem Rhythmus der Musik bewegen und mit singen – do the Auto-Dance!! Wenn mein Jüngster dann auf dem Beifahrersitz immer kleiner wird, sein Käppi immer weiter in die Stirn zieht und hektisch die Passanten auf den Bürgersteigen ins Visier nimmt, ob denn bloß keiner dabei ist, der ihn kennt, dann kann ich das ja eventuell verstehen. Aber auch nur eventuell – hört einen doch keiner!! Aber im Alter zwischen 14 und ca. 18 Jahren –je nach dem, wie extrovertiert der Charakter des Teenies ist – will man ja am liebsten gar nicht auffallen.

Aber muss man dann denn auch als Elternteil wie ein Undercover-Agent durch die Gegend laufen, möglichst leise, unerkannt und … bitte, um Himmels Willen!! Bloß nicht auffallen!! Bitte niemandem quer über die Straße zu rufen – und schon gar nicht – absolutes Tabu!! – den Sprößling direkt!! Böse Sache!! Keine Diskussionen mit Verkäuferinnen beim Klamotten einkaufen, ob die Jeans denn nun gut aussieht oder nicht. Und schon gar nicht diverse Sweat-Shirts und Hosen durch den Kabinenvorhang reichen oder durch die geschlossene Kabine fragen, ob die Hose denn passt! Geht gaaaaar nicht!!! Quasi Höchststrafe! Vernichtende Blicke treffen einen gnadenlos, wenn das Kind, sorry, der junge Mann aus der Kabine tritt.

Auch nicht gut ist, angeheitert, dank 1-2 Glässchen Wein zuviel, in der Straßenbahn nach Hause zu fahren und dabei einen Heiterkeitsausbruch bekommen, weil Sohnemann so verzweifelt versucht zu vertuschen, dass Mama einen Schwipps hat. Am End steht da ja vielleicht irgendwo ein „Paparazzo“… und dann wird ein Foto der beschwippsten Mutter veröffentlicht und in unziemlicher Weise mit dem Teenager selbst in Verbindung gebracht!! Oh Graus!!!

Auch gern genommen ist Mama auf dem Fußballplatz, die die Mannschaft lauthals anfeuert, einen Aufschrei nicht verhindern kann, wenn der Torwart-Sohn waghalsig hinter einem Ball her hechtet, böse landet und der gegnerische Stürmer dann auch noch voll auf ihn „drauf geht“! „Ahhhh, oh Gott!! NIIIKLAS!! Dieser Lump!! Der hat mein Kind gefoult! Schiiiiriiiieee!!! Rote Karte!!“ … und Mama dann, nur unter Aufbringung allen ihrer Willenskraft, NICHT auf den Platz rennt, um das Kind vom Boden aufzuheben und die vermackelten Knie & Co zu pusten.

Ach ja, und auch sonst. So einige Aussagen, die Mama einfach nicht machen darf. Ganz schlimm ist da auch das Thema „zwischenmenschliches zwischen Mann und Frau“. Eltern sind da ja im allgemeinen wohl eher geschlechtsneutrale Wesen. Wie dann allerdings die eigenen Sprößlinge entstanden sein sollen, das steht da wohl auf einem ganz anderen Blatt.

Interessant ist allerdings zu beobachten, dass gleichaltrige Kumpels und Freunde meist die Meinung der eigenen pubertierenden Nachkommen nicht teilen. „Mama, der Kevin findet dich cool. Boah, das geht ja gar nicht!!“ kann man sich da anhören. Sowas!

Aber einmal ist mir da wirklich etwas passiert, da konnte ich dann doch verstehen, dass Sohnemann am liebsten im Erboden verschwunden wäre. Und zwar als ich ihm in der Weihnachtszeit ein Wichtelgeschenk in die Schule brachte, welches er vergessen hatte. Er ging zu der Zeit bereits in die 9te Klasse. Nett wie ich bin, wollte ich nicht, dass er als einziger ohne sein Wichtelgeschenk da steht. Schnell zog ich mir was an, Mütze auf und los geprescht, damit er es rechtzeigtig zum Wichteln bekam. So eilte ich dann also schnellen Fusses in die Schule und klopfte an die Klassentür. Allerdings war da gerade eine andere Klasse in dem Raum. Den Lehrer kannte ich auch nicht. Er fragte mich, ob er mir helfen könne und ich sagte ihm, worum es ging. Er hatte da vollstest Verständnis, sagte mir, dass die Klasse gerade in einem anderen Kursraum war, er mich aber dahin begleiten würde. Gesagt, getan. So führte er mich durch die diversen Schulflure, ich hetzte mit dem Wichtelgeschenk in der Hand hinter ihm her.

Am entsprechenden Raum angekommen, klopfte der nette Lehrer und teilte dann seiner aus dem Raum kommenden Kollegin mit, worum es ging. „Hier ist die Mutter einer deiner Schüler. Er hat etwas zu Hause vergessen … “ „Ah, ok. Um wen geht es?“ fragte sie mich. Ich antwortete: „Marcel!“ Sie ging in den Raum und sagte: „Oh, Marcel. Ok. Maarcel!“ rief sie dann etwas lauter in den Raum. Und ich, voll in meiner Mama-Rolle, die ihrem Kind etwas Gutes tun will, trete auch einen Schritt in den Klassenraum, schaue mich suchend um, entdecke das Kind und rufe: „Marcelchen, du hast dein Wichtelgeschenk zu Hause vergessen!!“ im selben Moment wurde mir bewusst, was ich da rief, aber … zu spät! Es war schon aus meinem Mund raus geflutscht.

 Zig fragende und belustigte Teenager-Augen schauten zu mir, dann zu Marcel, der mich erstaunt, entsetzt und leicht errötend anschaute und auf mich zu kam. „Marcelchen!! Soso!“amüsierte sich nun auch die Lehrerin. „Mamaaaa!!“, zischte mich mein Sohn, zurecht etwas entsetzt und genervt, vor der Klassentür an. „Warum rufst du mich vor der ganzen Klasse „Marcelchen“??? Boah ey!!! Und warum bist du überhaupt hier?“ „Tut mir leid,“ sagte ich kleinlaut. „Das ist mir so rausgerutscht! Das wollte ich echt nicht! Aber du hast das Wichtelgeschenk zu Hause vergessen. Das brauchst du doch heute!“ versuchte ich mein Erscheinen zu verteidigen. „Ja, aber doch erst heute in der 7. Stunde. Ich hätte es dann noch geholt!!“ Nahm das Geschenk und verschwand wieder in der Klasse, wo er mit einem fröhlichen „Hallo, Marcelchen!“ empfangen wurde.

 

Oh Mann, ja, das war wirklich peinlich für ihn und es tat mir auch wirklich sooooooo doll leid. Aber ändern konnte ich es leider nicht mehr. Als er dann am Nachmittag nach Hause kam, machte ich mich schon auf eine Standpauke gefasst. Er kam zur Tür rein und ich machte mich bereit für eine Salve von „Mama, wie konntest du! Du bist so peinlich!“ und so weiter, und so weiter.

Um das Ganze etwas abzumildern sagte ich gleich: „Schätzchen, das tut mir echt so leid. Aber mir ist das einfach so rausgerutscht!!“ Und um so erstaunter war ich, als er zu mir kam und sagte: „Ach, nicht so schlimm. Meine Kumpels haben mich ein paar mal gefragt: Das ist deine Mutter?? Die ist aber noch jung! …“. Alle Sätze der weiteren Eigenverteidigung blieben mir im Munde stecken, ich hob die Schultern, blinzelte ein paar Mal mit den Augen und lächelte ihn an. „Echt?? Tja, also, dann …!“ grinste und freute ich mich. Erntete ein Küsschen vom Sohnemann der dann noch sagte: „Aber nochmal machst du das BITTE nicht!!“

Ok. Versprochen. Allerdings nur was den verbalen Ausbruch von höchst privaten Kosenamen angeht!!

Und außerdem, welche Peinlichkeiten man so mit seinen Sprößlingen erlebt, naja, das steht ja nun auch auf einem ganz besonderen Blatt und da können wir Eltern auch so manches Lied von singen!! Oder etwa nicht?

2 Responses

  1. Hallo Mona, oh ich liebe diese Geschichte. Ist ja echt wie im richtigen Leben. Könnte ich sein. Habe auch mal peinlicher Weise zu meinem Sohn Florian, Flori oder Floschi gesagt. Zack hatte er seinen Spitznamen weg. Peinlich.

    Deine Geschichten sind super !!

    1. Mona Hagemeier

      Hallo, liebe Maren! Freue mich, dass dir meine Geschichten und „Alltagsepisoden“ Freude bereiten. Tatsache ist doch: das Leben schreibt die besten Stories!! Dir einen schönen Tag … und Gruss an „Flori“!! 😉

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