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"dies und das" aus der ideenWerkstatt

Die kleine Schneeflocke und der fehlende Frühling

Die kleine Schneeflocke und der fehlende Frühling

Heute Morgen klopfte es ganz sacht an mein Fenster. Ich hörte es fast gar nicht, weil es so zaghaft war. Erstaunt, denn ich wohne ja im 7. Stock, schaute ich nach, was bzw. wer das wohl sein könnte.

Wie groß war meine Überraschung, als ich eine kleine Schneeflocke vor meinem Fenster sitzen sah, die ziemlich traurig und bekümmert drein schaute. Ich öffnete vorsichtig das Fenster, um das zarte Geschöpf nicht zu erschrecken. „Hallo! Guten Morgen!“, sagte ich zu ihr. „Was schaust du denn so traurig und … was führt dich an mein Fenster?“

„Guten Morgen!“, erwiderte sie mit einem zaghaften Stimmchen. „Ach, ich bin so traurig, weil ich die lange Reise zur Erde angetreten habe, auf die ich mich schon so lange freute. Meine Brüder und Schwestern haben mir erzählt, dass es hier so wunderbar ist, und die Menschen sich freuen, wenn sie uns sehen. Tolle Sachen würden die Menschen mit uns machen, Schneemänner bauen, die Kinder würden fröhliche Schneeballschlachten machen und juchzend die Berge mit ihren Schlitten herunter sausen. Alle würden sich freuen, wenn die Landschaft in Stille versinkt und wir Flocken leise tanzend vom Himmel fallen. Und jetzt …? Alles ist ganz anders! Alle schimpfen und sind gar nicht froh, dass wir da sind. Warum ist das bloß so?“ Mit traurigen Augen schaute mich das Schneeflöckchen an.

 

Ich überlegte einen Moment. Im Grunde genommen hatte sie ja recht. Eigentlich ist Schnee doch etwas ganz wunderbares. Zur rechten Zeit. Durch den tiefen Schnee stapfen, die wunderschöne weiße Landschaft genießen, herrlich! Doch: wer möchte schon Ende März noch Schneemänner bauen und die Schneeschaufel schwingen? KEINER! Da möchte man doch eigentlich schon die T-Shirts und Sommersachen bereit legen und sich auf ein Tässchen Kaffee im Strassencafé verabreden, um die ersten wärmenden, lang ersehnten Sonnenstrahlen zu genießen. Doch irgendwie ist dieses Jahr alles anders. Kalt, nass, ungemütlich. Die Winterschuhe, die ich schon 3 Mal weggeräumt habe, muss ich immer wieder rauskramen. Die Winterjacken und Pullover hängen dieses Jahr vom vielen Tragen „abgenutzt“ in der Ecke, und ich mag sie wirklich nicht mehr sehen. Ganz abgesehen davon, dass mir der wunderbare, Wärme und Licht spendende Ball am Himmel wirklich sehr fehlt.

Genau das erklärte ich der kleinen Flocke. „Nimm es nicht persönlich, du hübsches Ding.“, sagte ich entschuldigend zu ihr. „Du bist wirklich, wirklich wunderschön. Und es bereitet mir immer große Freude, dich und deine Familie vom Himmel tanzen zu sehen. Aber du musst einsehen: Irgendwann ist auch mal genug. Alle Blumen, Bäume, Mensch und Tier sehnen sich nach Wärme. Denn es ist an der Zeit dafür. Alle sitzen in den Startlöchern und warten auf das Frühlingserwachen. Denn es ist eben auch wunderschön, zu spüren, wie sich der Winter verabschiedet und das Frühjahr Einzug ins Land hält. Wenn die Blumen erblühen und die Luft einfach nach Frühling duftet. Ich hoffe du kannst das verstehen…“ erklärte ich ihr die Umstände, warum die Menschen so wenig erfreut über ihr Erscheinen waren. Ich sah ihr an, dass sie über das eben Gehörte nachdachte. „Ah, ich verstehe!“ sagte sie dann etwas fröhlicher. „Ich habe mich zur falschen Zeit auf den Weg gemacht!“ „Ganz genau!“ bestätigte ich ihr. „Und vielleicht kannst du das ja an die Himmelszentrale weitergeben. Es ist Zeit für den Frühling auf der Erde. Aber du kannst dir sicher sein: ich freue mich sehr, wenn ihr nächsten Winter wieder vor meinem Fenster tanzt und die Welt in ein wunderschönes Winterkleid einhüllt.“

Die kleine Schneeflocke stellte sich auf ihre Beinchen, lächelte mich an und sagte: „Ich richte diese Nachricht gerne aus. Der eisige Herr Winter wird das sicher verstehen. Und dem Nordwind sage ich, er soll uns alle zum Nordpol wehen. Die Eisbären freuen sich immer über einen Besuch von uns!“ Ich lachte: „Da bin ich mir sehr sicher, kleine Schneeflocke! Ich wünsche dir eine gute Reise und ich freue mich sehr, dich kennen gelernt zu haben!“ „Auf Wiedersehen!“ rief das Schneeflöckchen, nahm Anlauf und setze ihren Flug durch die Luft tanzend fort.

Ob sie meine Nachricht wohl überbringen wird und Herr Winter ein Einsehen mit uns allen hat? Ich hoffe es sehr und werde vorsorglich schon mal meine Winterjacken einmotten!!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

4 Responses

  1. Liebe Mona, diese rührende Geschichte war heute, Sonntagmorgen ein echter Aufsteller, zumal die Sommersonne bereits sehr kraftvoll unseren schönen Vierwaldstättersee erwärmt. Die kleine Schneeflocke hat ja verstanden, dass wir uns auf ihr erneutes Erscheinen im Dezember auch wieder sehr freuen.

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